Ein wirklich kurzer Abriss zur Entstehung der Eurokrise

Zunächst sollte man die derzeitige Eurokrise richtig diagnostizieren! Heute wird sie als Staatschuldenkrise interpretiert. Vorher war es eine Bankenkrise. Und davor eine Spekulationsblase, die geplatzt ist. Die Anfänge all dieser Krisen ist aber schon am Ende der 70’er Jahre entstanden. Durch den ersten und zweiten Ölpreisschock haben die Gewerkschaften total überhöhte Lohnforderungen erzielt, weil sie sich an der tatsächlichen Inflationsrate orientierten um die stark gestiegenen Energiepreise auszugleichen. Weil danach die Arbeitslosenrate stark gestiegen ist, gingen Arbeitgeberverbände, Gewerkschaften und die Regierung einen Pakt ein: Die beschäftigungsorientierte Lohnpolitik! Davon ausgehend, dass hohe Löhne Arbeitslosigkeit entstehen läßt, wurde nun Lohnzurückhaltung vereinbart. Dies wurde nach dem Eingehen der Euro-Währungsunion noch verstärkt betrieben.

Der Nebeneffekt dabei war jedoch, dass durch die zurückgehende Lohnquote auch die Nachfrage immer mehr zurückging. In der Folge investierten die Unternehmen weniger, bekamen aber gleichzeitig durch ihre erhöhte Gewinnquote immer mehr Geld. Da dieses Geld durch Investitionen in Produktion, Handel und Dienstleistung nicht genug Rendite abwarf, wanderte mehr und mehr von diesem Geld in die Finanzmärkte. Da der Finanzmarkt aber ein Nullsummenspiel ist, weil darin Verluste und Gewinne immer die gleiche Höhe haben, aber unterschiedlich aufgeteilt werden, hafteten einige Banken für den Verlust, während andere Banken im Geld schwammen. Diese Disproportion führte beim Zusammenrechen einiger Banken dazu, dass Staaten aufgefordert wurden, diese Verluste auzugleichen, ohne nur einen Gedanken daran zu verschwenden, dass es Gewinne in gleicher Höhe der Verluste gab.

Weil die Arbeitslosigkeit nach ’99 immer noch zu hoch war, wurde die Lohnzurückhaltung noch verschärft. Durch die Unternehmenssteuerreform ließ die Bundesregierung den Unternehmern immer mehr Anteile an der Wertschöpfung. In der Hoffnung, durch erspartes Geld die Investitionstätigkeit zu fördern. Dies gelang jedoch nicht, weil kein Unternehmer bereit ist zu investieren, wenn die Nachfrage nicht ausreicht um eine Rendite zu erwirtschaften. Die Transferleistungen des Staates in Form von Sozialleisten stiegen in der Folge der ungleichen Verteilung immer mehr, so dass die Agenda 2010 suggerierte, die Sozialleistungen seien zu hoch um noch einen Anreiz zur Arbeitstätigkeit zu geben.

Durch die starke Lohnzurückhaltung stieg Deutschland jedoch als Exportweltmeister auf und konkurrierte damit alle anderen Euro-Währungsländer nieder. So, dass ein immer größerer Teil der Wertschöpfung ins Ausland exporiert wurde und so tatsächlich die Eurokrise auslöste. Niedrige Löhne, gepaart mit hoher Produktivität verdrängt die heimische Produktion anderer Staaten, die sich aufgrund des Freihandels und das Fehlen einer eigenen Währung nicht vor dem Einfallen billiger deutscher Produkte schützen können. Mit den deutschen Produkten wurde gleichzeitig auch die Arbeitslosigkeit exportiert, da Deutschland ja immer mehr Produkte für das Ausland produzierte und diese Produktion in den importierenden Ländern wegfiel.

Das nicht erkennend, oktroyierte Deutschland den notleidenden Staaten einen Sparzwang auf, argumentierend, dass dieses Vorgehen Deutschland so erfolgreich werden liess. Tatsächlich aber verusacht dieser Sparzwang enorme Arbeitslosigkeit, weil der vorherige Nachfrageausfall durch den Staat nicht mehr kompensiert wird. Zudem wird in den betroffenen Ländern auch der Arbeitsmarkt soweit reformiert, dass die Lohnstückkosten zwar sinken, aber auch die Nachfrage noch weiter fallen lässt und damit die Investitionen. Da sich die Lohnstückkosten aber immer aus dem Verhältnis zwischen Arbeitskosten und Produktivität errechnen, dürfe es immer schwerer werden, das Niveau der Lohnstückkosten Deutschlands in absehbarer Zeit zu erreichen, da in einer wirtschaftlichen Deflation die Produktivität eher sinken wird und dies wiederum durch Senkung der Arbeitskosten kompensiert werden wird.

Der Plan der deutschen Regierung für Staaten wie Griechenland, Spanien, Portugal und weiterer Staaten war das Senken der Lohnstückkosten auf deutsches Niveau, damit diese Länder weniger importieren und mehr exportieren können. Dies entspricht dem längst totgeglauben Merkantilismus bis Ende des 18. Jahrhunderts, der dadurch gescheitert ist, dass die Welt sich nicht dauerhaft gefallen ließ, den europäische Fortschritt durch die Aufnahme des europäischen Exports zu finanzieren. Denn alle Exporte und Importe auf der Welt heben sich gegenseitig auf, weil es nicht mehr Exporte als Importe geben kann muss jemand importieren, was ein anderer exportiert.

Dieser wirklich kurze Abriss der Entwicklungen seit den 1970’er Jahren zeigt, dass die Wirtschaftspolitik seit dem völlig versagt hat. Dieser lange Zeitraum und das Kaschieren der Ursachen der Regierungen unter Mithilfe der Medien und sogar der Gewerkschaften haben dafür gesorgt, dass sich kaum ein Bürger bewußt ist, welche folgenschwere Fehlschlüsse tatsächlich für die heutige Misere verantwortlich ist.

Schuld daran ist die neoklassische Wirtschaftstheorie, die sich fast überall in der Welt verbreitet hat. Diese fehlerhafte Theorie, die vor Mythen und Dogmen nur so wimmelt und keinenfalls die Wirklichkeit abbildet hat dazu geführt, dass die Welt insgesamt immer mehr in einer Krise versinkt.

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