Geld ist Fantasie – Einwurf

Seit einiger Zeit geht ein Video durch die sozialen Netze, in dem Volker Pispers die Eigenschaften des Geldes aufs Horn nimmt.

Leider unterliegt Volker Pispers einigen Irrtümern in Sachen Geldsystem. Genauso wie viele andere Menschen, die gerade herausgefunden haben, dass Geld durch Kreditschöpfung entsteht. Weil das ein scheinbar unglaublicher Vorgang ist, hören viele Menschen auf Erkenntnisse zu gewinnen und folgen der Sensationsgier.

Einige Anmerkungen zum Video:
Die Ursachen der Finanzkrise ist nicht das Geldsystem, sondern die ungleiche Verteilung des Geldes zwischen den Arten der Wertschöpfung, also Löhne und Gehälter, Zinsen, Mieten und Pachten, Unternehmerprofite. Die Finanzkrise kam Jahrzehnte später, als Spekulationsgeschäfte mehr Rendite versprach als durch die Produktion erzielt werden konnte, da die Nachfrage immer geringer wurde durch die Steigerung der Gewinnquote zuungunsten der Lohnquote.

Geld ist Glaubenssache? Wie bringe ich Menschen dazu mit Papiergeld oder Giralgeld zu bezahlen, obwohl dem Geld scheinbar kein Wert, z.b. in Form von Gold, unterlegt ist? Ganz einfach: der Staat aktzeptiert dieses Geld um die Steuerschuld zu begleichen. Und in dem die jeweilige Volkswirtschaft relativ stabil ist. Geld kann nur soviel Wert sein, wie es dafür Güter und Dienstleistungen gibt.

Geld entsteht durch Schulden. Das nicht weiter schlimm. Schlimm ist nur, dass Schulden momentan etwas schlechtes sein sollen und keiner sie machen will. Die Unternehmen wollen keine Schulden, die privaten Haushalte wollen sie nicht und der Staat auch nicht. Also zwingen wir das Ausland die Schulden zu machen. Für uns, denn einer muss Schulden machen.

Im Prinzip ist unser Geldsystem ein sehr elegantes System. Aus dem Umstand heraus, dass Geld durch Kredit geschöpft wird, muss niemand sparen um eine Investition zu tätigen. Eine Wirtschaft kann so dynamisch wachsen. Das funktioniert bei einem System mit fester Geldmenge nicht.

Kreditschöpfung durch Geschäftsbanken wäre das perfekte Verbrechen, sagte schon Harald Lesch. Das ist aber leider falsch. Würden sich die Banken damit dumm und dämlich verdienen, bräuchte es nicht noch das Kasino der Spekulationsgeschäfte. Nehme ich einen Kredit auf, zahle ich an die Bank zwar Zinsen, aber das Geld wird auch bei irgend einer Bank wieder eingezahlt, die wiederum Guthabenzins zahlt. Untereinander gibt es ein Ausgleichssytem unter den Banken für diese Zinsen, damit die Bank für das Guthaben nicht übermäßig benachteiligt wird gegenüber der Bank, die Darlehenszinsen bekommt. Die Differenz ist zwar der Gewinn der Bank, allerdings kommen da noch Risiken, Steuern und die Kosten des Geschäftsbetriebs, die den Gewinn schmälern. Und in heutigen Zeiten mit fast 0 Zins sehen die Banken dieses Geschäft nicht mehr so rosig, denn sie verleihen sehr viel weniger Geld.

Zinsen an sich sind auch nicht das Problem. Es stimmt schon, dass das Geld für die Zinsen auch geschöpft werden muss, aber solange der Zins im Mittel unter der Steigerungsrate der Wertschöpfung liegt ist das überhaupt kein Problem. Es gibt kein Naturgesetz, dass den Zins dauerhaft über dem halten läßt als wir durch Wertschöpfung erreichen könnten. Viele Menschen vergessen sehr schnell, dass ein solches System gesteuert werden muss.

So, jetzt habe ich die ersten 5 Minuten des Videos kurz kommentiert. Wir müssen dieses System schon verstehen um es ändern zu können, sonst laufen wir von einer Katastrophe in die nächste. Weil die Ursachen einfach nicht erkannt werden. Das sehe ich als das größte Problem unserer Zeit.

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