Die EVG passt sich der herrschenden Politik an

Die Gewerkschaft EVG (Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft) biedert sich der herrschenden Politik an und legt ein desaströses Ergebnis vor. Jedoch nicht in den Augen der Gewerkschaft. Auf der Homepage der EVG heißt es noch vollmundig:

Zitat: „So sieht das vorliegende Gesamtpaket eine Tariferhöhung von insgesamt 5,1 Prozent vor, die in zwei Schritten wirksam werden wird. „Damit liegen wir dicht dran an unserer Forderung, die bei 6 Prozent gelegen hatte“, stellte Regina Rusch-Ziemba fest. Die erste Erhöhung werde mit 3,5 Prozent bereits zum 1. Juli 2015 fällig, die zweite Stufe, mit 1,6 Prozent, zum 1. Mai 2016.“ [1]

Doch, wie sieht es tatsächlich aus? Der letzte Tarifvertrag ist am 1. Juli 2014 ausgelaufen. Mehr Geld in Höhe von 3,5% gibt es erst ab dem 1. Juli 2015 mit einer Laufzeit bis Mai 2016. Die 3,5% mehr Lohn verteilen sich also auf 24 Monate. 12 Monate geteilt durch 24 mal 3,5 ergibt 1,75% mehr Lohn über die gesamte Laufzeit. Sehr ernüchternd! Noch schlechter wird es aber ab dem 1. Mai 2016. Ab da gibt es dann nur noch 1,6% mehr Lohn. Das heißt die EVG erspart der Bahn die nächste Tarifrunde und läßt sich im darauffolgenden Jahr mit einer noch viel schlechteren Lohnsteigerung abspeisen.

Wie sähe denn überhaupt ein wirtschaftlich notwendiger Lohnabschluss aus? Grundlegend sollte bei einem Lohnabschluss immer bedacht werden, dass es eine Produktivitätssteigerung und eine Preissteigerung im Laufe des Jahres geben wird. Diese werden normalerweise im 12 Monatsrythmus ermittelt um auch Schwankungen im Laufe des Jahres zu glätten. Das heißt, der Reallohn senkt sich spätestens nach 12 Monaten, da die Kaufkraft des nominalen Lohns durch Preis- und Produktivitätssteigerung abnimmt. Der Reallohn sinkt also entsprechend. Liefe ein Tarifvertrag zum Beispiel über 3 Jahre, so hätten wir in den drei Jahren für jedes Jahr bei gleichleibenden (nominalen) Löhnen einen Kaufkraftverlust zu verzeichnen.

Die Höhe des Tarifabschlusses sollte eben nicht die Inflationsrate ausgleichen, wie vielfach von unbedarften Menschen behauptet wird. Umgekehrt wird ein Schuh daraus. Inflation bedeutet eine anhaltende Erhöhung der Güterpreise. Der beste, einfachste und nachhaltigste Weg eine Inflation zu erzeugen ist also die Steigerung der Lohnstückkosten in Verbindung mit der Erhöhung der Löhne. Da in Europa eine Inflationsrate von 2% angestrebt wird müssen also die Löhne um 2% pro Jahr steigen. Hinzu kommt nun noch die Produktivitätssteigerung, die in Deutschland bei ca. 1,5 % liegt. Hierbei ist allerdings zu beachten, dass eigentlich nicht die vergangene Produktivitätssteigerung gemeint ist, sondern die zukünftige geschätzt werden muss. Denn ein erhöhter Output an Gütern muss zeitgleich auch eine erhöhte Nachfrage gegenüber gestellt werden. Die Nachfrage wird eben durch eine Erhöhung der Löhne gesteigert.

Daraus ergibt sich beispielsweise eine angestrebte Lohnerhöhung von 3,5 % im Jahr. 1,5% Produktivitätssteigerung plus 2% Zielinflationsrate. Leider ist mir kein Lohnabschluss in den letzten Jahren bekannt, der dies auch nur annähernd erreicht hätte. Mit verherrenden Folgen für Europa. Denn wir produzieren durch die Produktivitätssteigerung jedes Jahr mehr Güter, aber sorgen nicht durch entsprechende Lohnerhöhung für eine Nachfragesteigerung im eigenen Land. Die Nachfrage muss also irgendwo anders erzeugt werden. Und das kann eben dann nur noch das Ausland leisten zumal über die letzten 15 Jahre aus Deutschland ein Niedriglohnland geworden ist und so auch eine gestiegende Nachfrage aus dem Ausland erzeugt worden ist. Die herrschende Politik versteht leider immer noch nicht, dass die Nachfragezurückhaltung durch Lohnzurückhaltung eine Verschuldung des Auslandes bedingt, dem wir diesen Umstand jedoch vorhalten. Siehe nur die Berichterstattung über die ach so verschwenderischen Griechen die jahrelang auf Pump leben. Völlig ignorierend, dass nur so aus Deutschland ein Exportweltmeister werden konnte. Auf Kosten anderer Staaten und auf Kosten der eigenen Bürger. Es ist wohl eher keine Absicht dahinter, sondern eine vollkommen Unverständnis der ökonomischen Zusammenhänge, welches leider in dem Zusammenhang auch der Untergang Europas sein wird.

Sollte etwas an diesen Erläuterungen unklar sein bin ich sehr gerne bereit Antworten auf Deine/Ihre Fragen zu geben.
Autor: Sascha Bahl

Quelle:
[1] https://www.evg-online.org/Tarifpolitik/Aktuelles/15_05_27_Tarifrunde/

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