Prognosen zu Griechenland – Wirtschaftsmodell der Troika ist Mist

EU Kommission erwartet nur noch 0,5 % Wirtschaftswachstum in Griechenland, statt 2,5%! Auf tagesschau.de wird das mal wieder so dargestellt als könne man es der neuen Regierung anlasten.

Man muss sich das mal vorstellen. Da ist seit über 5 Jahren die Troika und bestimmt die Wirtschaftpolitik in Griechenland die einer neoklassischen Wirtschaftstheorie unterliegt. Passt auf, ihr Griechen! Wir machen das jetzt alles für euch, dann wird es euch gut gehen. Bankschulden wurden zu Staatsschulden und die Löhne wurden um 25% bis 30% gesenkt, Sozialausgaben drastisch gekürzt, Krankenhäuser dicht gemacht. Dann wurden Prognosen erstellt. Die Prognose für 2011 lautete: -2,6%, herausgekommen ist -7%. Für 2012 erwartete das IWF +1%, heraus kam -7%. Für 2013 +2%, revidiert auf -4%. Die jüngste Prognose von +2,5% ist auch mal wieder mächtig daneben gewesen.

Das sollte man sich doch mal überlegen, ob man denn die richtige Wirtschaftstheorie anwendet. Denn Griechenland hat alle Maßnahmen der Troika durchgeführt und trotzdem ist es furchtbar schief gelaufen.

Die Neoklassik arbeitet nach dem plumben Angebots-Nachfragemodell, welches für Güter angewendet wird. Je billiger Kartoffeln sind, desto mehr werden davon gekauft. Also, je billiger Arbeit wird, desto mehr wird davon nachgefragt. Das ist die Überlegung, die zur Agenda 2010 geführt hat. Leider wird dabei überhaupt nicht beachtet, dass Kartoffeln keine Kartoffeln kaufen. Die Nachfrage nach Konsumgütern geht aber von den Beschäftigten aus. Daher ist in Griechenland mit der Lohnsenkung auch die Wirtschaft drastisch eingebrochen. Woher soll wohl auch eine steigende Nachfrage kommen, wenn die Löhne sinken? Im neoklassischen Modell wird das aber vollkommen ausgeblendet. In Griechenland können wir aber nun an einem krassen Beispiel beobachten, dass diese Theorie einfach Mumpitz ist.

Mal ganz davon abgesehen, dass Griechenland auch erst dann seine Auslandsschulden zurückzahlen kann, wenn es Aussenhandelsüberschüsse erzielt. Und das läßt Deutschland mit seinen Dumpinglöhne einfach nicht zu.  Es kann nicht jeder mehr exportieren, als er importiert. Es muss immer jemanden geben für den das Gegenteil gilt. Der mehr importiert als exportiert. Denn die Welt kann insgesamt keinen Überschuss generieren. Wenn Deutschland, wie seit Jahren, mehr (viel mehr) exportiert als zu importieren, muss es zwingend Länder geben, die Schulden machen. Sonst geht das nicht. Dies scheint unserer Regierung aber völlig fremd zu sein, denn sie beharrt ja darauf, dass jeder Übeschüsse machen soll. Mir ist noch keine außerirdische Zivilisation bekannt, die dann unser Zeug kauft.

Ja, Deutschland konnte seine Lohnsenkungspolitik durchführen, in der Hoffnung, dass die Massenarbeitslosigkeit verschwindet, wenn Arbeit nur billig genug ist. Das ging aber auch nur, weil die Bevölkerung dumm genug war, dem zu folgen. Und, weil wir dadurch den Export steigern konnte, geradezu mussten. Wenn unsere Bevölkerung die Waren, die sie selbst produziert hat, gar nicht selbst konsumieren kann, muss es jemand geben, der sie stattdessen konsumiert. Dafür muss sich das Ausland aber verschulden. Damit Deutschland anschliessend den Finger auf das Ausland zeigen kann, weil Schulden ja blöd sind. Gell?

Euer Sascha Bahl

Quelle: https://www.tagesschau.de/wirtschaft/eu-kommission-senkt-prognosen-fuer-griechenland-101.html

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