Von wegen 2,8%. Es sind nur 1,6% mehr Lohn!!! IG BCE foppt ihre Mitglieder und geht auf Arbeitgeberangebot ein!

Scheinbar haben IG-BCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis und IG-BCE-Verhandlungsführer Peter Hausmann die Seiten gewechselt. Anders kann ich das Ergebnis des jüngsten Tarifabschluss für die Chemiebranche nicht einordnen. Zunächst sah es nach einem in den Medien gedeuteten Graben aus. Die Gewerkschaft fordert für die 550.000 Beschäftigten der Chemiebranche 4,8%. Die Arbeitgeber hielten mit einem mageren Angebot von 1,6% dagegen.

Am Ende einigten sich beide Tarifparteien auf einen Lohnzuwachs von 2,8% mit einer Laufzeit von 17 Monaten. Was bedeutet dies in Wirklichkeit? Würden wir mit 17 Monaten rechnen läge die Lohnerhöhung allerdings nur bei 2%, da Tarifabschlüsse immer mit 12 Monaten gerechnet werden sollten, da nach einem Jahr entsprechend die Preise und die Produktivität steigen und der Reallohnzuwachs dadurch sinkt. Nun einigten sich die beiden Parteien auch noch darauf, dass die Erhöhung aber erst in zwei oder vier Monaten eintreten soll. Rechnerisch käme dies einer Laufzeit von 21 Monaten gleich. Simpler Dreisatz zeigt dann eine Lohnerhöhung von 1,6% an. Das ist genau gleich mit dem ursprünglichen Arbeitgeberangebot!

Der IG-BCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis verkündet dagegen seinen Mitgliedern stolz: „Wir haben in der chemischen Industrie wieder einmal gezeigt, dass eine starke Gewerkschaft tragfähige Ergebnisse für die Beschäftigten erzielt.“

Das ist ein echter Schlag ins Gesicht der Gewerkschaftsmitglieder!

In der Presse steht natürlich wieder mal nichts über diese Zusammenhänge um den Beschäftigten und den Bürgern die volle Wahrheit vorzuenthalten. Wie z.B. hier: http://www.tagesschau.de/wirtschaft/chemie-103.html

Quelle:
https://www.igbce.de/tarife/chemie-tarifrunde/102368/xix-17-tarifrunde-chemie-abschluss

5 thoughts on “Von wegen 2,8%. Es sind nur 1,6% mehr Lohn!!! IG BCE foppt ihre Mitglieder und geht auf Arbeitgeberangebot ein!”

  1. Hallo Sascha Bahl, ich vergaß bei Facebook einen Bezug auf den von Ihnen erstellten Artikel der oberhaöb herzustellen. Ich muss Sie leider darauf hinweisen, das Ihre Rechnung von bis zu 21 Monaten grundsätzlich falsch ist und damit auch Ihr Ergebnis von 1.6%. Es Bleiben 17 Monate, die so genannten Leermonate sind Bestandteil der Gesamtlaufzeit. Das ist im übrigen auch Inhalt der verlinkten Meldungen und bei genauem Lesen so zu verstehen.

    Im übrigen steigen Preise und Produktivität nicht einmal in einem Jahr, sie Ändern sich täglich, können, wie Sie als Volkswirt sicherlich wissen, auch sinken, und werden statistisch sogar monatlich betrachtet.

    Wenn Sie den altbekannten … In der Hose haben, sollten Sie den Artikel entsprechend ändern und, um ihrer selbsternannten Rolle als „Volkswirt“ gerecht zu werden, 1. richtig rechnen, 2. die ganze Wahrheit erzählen und 3. vielleicht eine Entschuldigung formulieren.

    Zu mir, ich bin beschäftigt bei der IG BCE, was den Inhalt meiner Aussagen aber nicht falsch und den Inhalt Ihres Textes nicht richtig macht. Ich persönlich bin für eine richtige Darstellung der Sachlage und möchte den o.g. Inhalt daher Klarstellen.

    Sie sind am Zug, ich bedanke mich im Voraus.

  2. ….und in diesem Beitrag scheint der Dreisatz nicht auszureichen um den Demobetrag einzurechnen! Schade eigentlich, denn sonst stimmt ja rein rechnerisch alles wenn es irgendwie zu 21 Monaten kommen könnte. Der Tarifvertrag den ich kenne läuft aber nur 17 Monate! Inkl. Leermonat!
    Ach so, doch….Unternehmen, die im letzte Jahr Minus gemacht haben können noch 2 Monate verschieben….DANN komme ich aber auch nur auf 19!

    Ökonomie und Politik gegen den Irrsinn….soso!
    Wenn das ihr Fundament ist, das sie mit solchen „Artikeln“ darstellen wollen würde ich mir dringend ein weiteres Standbein suchen!

  3. Vielen Dank für Ihre Kommentare. Berechnungen auf Tarifabschlüsse sollten immer im 12 Monatszeitraum berechnet werden, weil sich Wachstums- und Inflationsrate auf jährliche Basis beziehen und sich dann eine Vergleichbarkeit zwischen diesen Größen herstellen läßt. Der Tarifabschluss ist auf 17 Monate abgeschlossen worden. Das sind dann nur noch 2% mehr Lohn, würde er sich denn auch sofort erhöhen. Im schlechtesten Falle bei einigen Betrieben mit 4 Monaten Verzögerung. Also allein für das erste Jahr, wenn die 4 Monate abgezogen werden, verbleiben nur noch 8 Monate was einem Lohnzuwachs von 1,86% im laufenden Jahr entspricht. Sehr weit von den veröffentlichten 2,8% entfernt. Sie können gerne auch mit 19 Monaten rechnen, dann kommen insgesamt 1,77% mehr Lohn raus. Den Demografiebeitrag können wir getrost unberücksichtigt lassen, denn er trägt nichts zu einem steigenden Einkommen im Heute bei und ist sogar makroökonomischer Unsinn, worauf ich aber jetzt nicht eingehen werde.

    Um bei der Vergleichbarkeit zu bleiben berücksichtigen wir immer auf 12 Monaten den Produktivitätszuwachs und die Inflationsrate. Bei gleichbleibenden Gehalt, das wurde ja so beschlossen, sinkt der Reallohn spätestens im zweiten Jahr.

    Wenn Sie schreiben, dass Produktivität und Inflationsrate sich ja sogar von Tag zu Tag ändern, dann ändert das nichts daran, dass wir einen Bezugsrahmen für den beabsichtigten Lohnzuwachs benötigen. Weshalb die jährlichen Zahlen ein guter Bezugspunkt sind um die Schwankungen im Jahr zu begradigen. Sie haben damit sogar das Problem erkannt, ohne leider danach handeln zu wollen. Sie schliessen einen Vertrag über 17 Monate ab, wohlwissend, dass in den 17 Monaten die Produktivitäts- und Inflationsrate steigt womit der vereinbarte Lohnzuwachs immer kleiner wird, je länger die Vertragslaufzeit ist.

    Die Zielinflationsrate in der Euro Währungsunion ist bei ca. 1,9% jährlich, die Deutschland leider die letzten 15 Jahre bei weitem unterboten hat. Dadurch lebt die deutsche Volkswirtschaft stark unter seine Verhältnisse, was sich an den exorbitanten Exportzuwächsen bemerkbar macht, der für unsere Nachbarn ein echtes Problem darstellt. Das heißt, die Löhne waren über Jahre zu niedrig um eine stabile europäische Währungsunion zu gewährleisten. Bleibt das eklatante Ungleichgewicht bestehen, werden unabsehbare Folgen in Europa drohen. Dieses Ungleichgewicht zu beheben, bedeutet eine jährliche Zuwachsrate der Löhne um mindestens 5% – 6% über die nächsten 15 Jahre in Deutschland. Ich will das hier nicht vertiefen, da ich in meinen letzten Beiträgen über diese Notwendigkeit geschrieben habe.

    Vorbeugend möchte ich noch hinzufügen, dass durch die Lohnzuwächse nicht die Inflationssteigerung ausgeglichen werden soll. Die Löhne machen erst die Inflation aus, als Teil der Lohnstückkosten. Die Löhne sind dabei auch genau der Anteil, der sich am besten steuern lässt um eine Zielinflationsrate zu erreichen. Im Gegensatz zu den aktuell gesunkenen Energiekosten. Tarifabschlüsse sollten sich immer auf die zukünftige Entwicklung konzentrieren. Also daran wie die in der Zukunft liegende Produktivität sich entwickelt. Dazu muss dann noch die beabsichtigte Zielinflationsrate dazugerechnet werden. Normalerweise Produktivitätszuwachs plus Zielinflationsrate von 1,9%. Da wir seit 1999 darunter geblieben sind, müssen die Lohnzuwächse, wie beschrieben, noch viel mehr steigen um eine Stabilität in der EWU wieder herstzustellen.

    Das zu gewährleisten ist vordergründig die Aufgabe der Arbeitgeberverbände und der Gewerkschaften, welches durch Art 9 Abatz 3 Grundgesetz, abgeleitet aus der Tarifautonomie, festgeschrieben wurde. Gerade die Gewerkschaften sollten das gesamtwirtschaftliche Wohl nicht nur für Deutschland, sondern nun auch für Europa im Blick haben. Ich weiß, dass die Wirtschaftspolitik der Regierung und die veröffentlichte Meinung ganz anderer Auffassung sind und die Gewerkschaften dagegen argumentieren müssen, was nicht einfach ist. Gerade deshalb ist es wichtig, dass wenigstens die Gewerkschaften das richtige volskwirtschaftliche Verständnis entwickeln und die Öffentlichkeit sensibilisiert und aufgeklärt wird. Darum betreibe ich diesen Blog und bin politisch engagiert.

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