Deutschlands Wirtschaftspolitik schürt Fremdenfeindlichkeit – Teil 2

Ich möchte den Begriff des Schmarotzertums aufgreifen, der in sozialen Netzwerken so oder ähnlich benutzt wird um unsere wirtschaftliche Situation zu beschreiben. Wenn ich mir die Medien im Allgemeinen anschaue, wird die wirtschaftliche Misere gerne auf die gelenkt, die aus verschiedenen Gründen wohl nichts leisten „wollen“. Vor einiger Zeit war in einer lokalen Tageszeitung ein Artikel darüber, dass die Arbeitslosigkeit im Kreis Bergstraße abgebaut werden soll. Erreichen möchte man dies durch Suchberatung und gesundheitsfördernde Maßnahmen. Die Arbeitslosigkeit wird so dargestellt, als wären viele Langzeitarbeitslose nur schwer vermittelbar, weil sie gesundheitliche Probleme hätten oder gar einer Sucht verfallen wären. Das ist das Bild, dass die meisten Medien und Politik kontinuierlich verbreiten. Das ist Volksverdummung par excelence und kann wohl auch der Propaganda zugeordnet werden, die auf uns tagein tagaus einprasselt. Steter Tropfen hölt den Stein und genug Menschen glauben daran, dass Menschen, die von niedrigen Einkommen oder Hartz IV leben müssen, ausschliesslich selbst Schuld wären. Dann wird das Bild des faulen Arbeitslosen geformt: motivationslos, ungebildet, ungepflegt, gesundheitlich gezeichnet und ausgegrenzt.

Anders herum wird aber ein Schuh daraus. Natürlich werden Menschen, die ihren Job verloren haben oder erst gar keine Chance auf einem Job hatten, in ihrer Perspektivlosigkeit nicht herumlaufen mit den Drang den Tag zu preisen. Den Meisten würde wohl jegliche Perspektive und Motivation abhanden kommen, wenn sie zu dieser stetig wachsenen Gruppe von Menschen gehörten denen zunehmend jegliche Hoffnung genommen wird, jemals zu einem angemessenen Lohn arbeiten zu dürfen. Stattdessen versucht man diese Menschen, die sowieso schon ganz unten sind, durch Überwachung, Ausgrenzung und stetige Denunziation unter massiven Druck zu setzen um jeden Dreck an Arbeit anzunehmen für den Profit derjenigen, die überhaupt keine Skrupel haben Menschen in ihren Situationen auszunutzen. Zusätzlich wird dieser Druck auch gerne dazu genutzt, den drohenden Aufstand im Keim zu ersticken

Die Wahrheit ist die, dass ein bedeutender Teil der Menschen von der regierenden Politik vollkommen abgeschrieben wurden. Nach all den Maßnahmen und Erfolgen ein Niedriglohnland aufzubauen, sind das die Überbleibsel, die aus der Gesellschaft aussortiert wurden, weil sie für unsere Wirtschaft keinen Profit mehr abwerfen können. Die Jobs, von dem man vor 20 Jahre noch gut leben konnte, sind nun im Ausland. Man möchte nur noch hochqualifizierte Arbeitnehmer haben, die dank unseres Bildungssystem und Medienberieselung möglichst nichts hinterfragen und nur ihrer Arbeit nachgehen solange sie gebraucht werden. Während Deutschland durch den höher werdenden Exportanteil immer mehr die Wirtschaft anderer Staaten zerstört und dort große Arbeitslosigkeit und Elend hinterläßt, bemüht sich Regierungspolitik, gerade die gut ausgebildeten Menschen, die in ihrem Land keine Perspektive mehr sehen, hier willkommen zu heissen. Was nichts anderes heißt, als dass die Wertschöpfung aller Bürger immer weniger in die eigene Volkswirtschaft zurückfliesst, dafür über hohe Exporte aber andere Staaten in die Schulden drängt. Während dort die Arbeitslosigkeit immer höher wird, werden Fachkräft abgeworben, in die aber im eigenen Land viel für deren Ausbildung investiert wurde. Deutschland möchte nun auch, dass andere Staaten die Arbeitskräfte ausbilden, die hier Profite erwirtschaften sollen.

Wir haben hier ein massives Nachfrageproblem. Wir müssen die Menschen endlich wieder in die Lage versetzen, die Produkte zu kaufen, die sie selbst herstellen. Damit wird die Investitionstätigkeit angeregt und es werden Arbeitsplätze geschaffen. Schliesslich geben wir unseren EU-Nachbarn wieder die Gelegenheit durch das dann einsetzende Handelsbilanzdefizit Deutschlands Schulden abzubauen. Also mehr zu exportieren als zu importieren und damit die Wirtschaft wieder auf- und die Arbeitslosigkeit abzubauen. Um diese Maßnahmen zu ergreifen, haben wir aber nur noch 2 bis 2,5 Jahre Zeit. Denn die Menschen lassen sich das nicht ewig gefallen und werden radikale Parteien wählen, die die Krise auf ihre Art beenden werden. Das wäre eine unglaubliche Katastrophe für Deutschland und Europa. 2017 werden in Frankreich Wahlen sein und die Chancen für Marie Le Pen mit ihrer rechtsradikalen Partei Front National steigen immer weiter. Wenn Frankreich aus dem Euro geht, wird es eine unglaubliche Katastrophe geben. Deutschland mit seinem übergroßem Aussenhandelsbilanzüberschuss und dem Rest-Euro wird gnadenlos in dem dann entflammten Währungs- und Handelskrieg aufgewertet werden. Der Export – 215 Mrd. Euro im letzten Jahr, 7,6 % der Wirtschaftsleistung – würde plötzlich und über Nacht wegbrechen. Dann wird die Arbeitslosigkeit sprunghaft ansteigen, die Wirtschaft würde zusammenbrechen und eine Radikalisierung der Bevölkerung in kauf genommen werden müssen. Das alles für die Dummheit der herrschenden Politik und die kurzfristigen Profite Weniger. Wenn sich Deutschland nicht in die richtige Richtung bewegt, und danach sieht es nicht aus, werden sehr schwere Zeiten auf uns zukommen, die wir uns nur wage ausmalen können.

Wir brauchen den Dialog, die Gelegenheit den Menschen endlich die Wirklichkeit und die Konsquenzen zu zeigen. Auch, wenn solche Vorhaben wie TTIP, CETA und TISA gegen den Willen der Bevölkerung durchgedrückt werden, kann diese Politik nur gebrochen werden durch konsequente Aufklärung mit dem Ziel den Bürger wieder mündig werden zu lassen, der ja nur aufgrund seiner Kenntnisse und des Verständnisses der wirklichen Zusammenhänge die richtigen Entscheidungen treffen kann. Das ist aber sehr schwer, weil derjenige der dies liest morgen die Zeitung aufschlägt und sich wieder vom Gegenteil überzeugen läßt. Die Meinung, die ich vertrete wird schätzungsweise von 95% der Bevölkerung nicht geteilt, weil die okönomischen Grundlagen fehlen und sie in der einzelwirtschaftlichen Rationalitätsfalle hängen, was nicht anderes heißt, als das sie rationale Entscheidungen einzelner Wirtschaftssubjekte von der Mikro- auf die Makroökonomie übertragen und erwarten in der Volkswirtschaft könne nach dem Vorbild der schwäbischen Hausfrau gehandelt werden.

Ich kann nur jedem, der es möchte, dazu einladen sich ökonomisch ein wenig weiterzubilden um in der Lage zu sein die aktuelle Situation kritisch hinterfragen zu können und damit ein Umdenken einzuleiten. Die Welt könnte so schön sein, wenn wir endlich die Konsequenzen ziehen würden.

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