Leistungsgerechte Entlohnung ist ein Irrglaube

Ich habe einen Artikel des Blogs „ScienceFiles – Kritische Wissenschaft“ kommentiert. Der Artikel trägt die Überschrift „Gerechtigkeit? Gleichheit? Gleichstellung? Idiotentest für Verteilungsfragen“

Darin gab es einen „Idiotentest für Verteilungsfragen“. Hier die erste Frage mit den Antwortmöglichkeiten:

A. Was ist Gerechtigkeit?

1. Gerechtigkeit ist, wenn ich bekomme, wonach ich ein starkes Bedürfnis habe.
2. Gerechtigkeit ist, wenn ich das bekomme, was meiner Leistung entspricht.
3. Gerechtigkeit ist, wenn ich das bekomme, was andere schon haben oder bekommen.

http://sciencefiles.org/2015/02/27/gerechtigkeit-gleichheit-gleichstellung-idiotentest-fur-verteilungsfragen/#comment-48895

 

Dazu habe ich geschrieben:

Das ist ein tendenziöser Artikel, der den Leser in die Richtung der Marktliberalität lenken soll. Ich gebe zu bedenken, dass der rein individuelle Leistungsausgleich lohnabhängiger Beschäftigter eben nicht in die leistungsbezogene Bezahlung führt, wie viele leichtfertig glauben mögen. Denn der Einzelne hat nicht genug Macht um seine Bezahlung seiner Leistungen entsprechend einzufordern. Das funktioniert nur, wenn zufällig der gewählte Beruf oder Qualifikation knapp ist. Dann ist man vielleicht in der glücklichen Lage eine gute Verhandlungsposition zu besitzen. Selbst dies scheint aber in den sozialen Berufen, wo auch Knappheit herrscht, nicht zu gelten. Hier gibt es keine leistungsgerechte Bezahlung, weil der abhängig Beschäftigte in einer Position ist, in der er keine gerechte Bezahlung einfordern kann.
Die leistungsgerechte Bezahlung ist ein Irrglaube, der volkswirtschaftlich schädlich ist, weil er eben nicht zu mehr Gerechtigkeit führt, sondern nur dazu, dass sich Arbeitnehmer gegenseitig ausspielen und damit ihre gesamte Position schwächen. Der Markt wird sich weiterhin dahin bewegen die Konkurenzfähigkeit der Unternehmen durch Lohndrückerei zu erreichen, statt durch Innovationen und Investitionen. Das Gesetz des einheitlichen Preises für gleiche Arbeit ist ein wichtiges Gesetz, dass den Arbeitsnehmer vor Ausbeutung schützt und weiter für einen gerechten Markt sorgt, in der die Unternehmen nicht gegeneinander konkurrieren, wer seine Arbeitnehmer am Besten auspressen kann, sondern sich darauf konzentriert die besseren Produkte herzustellen.
Zudem ist die wirtschaftliche Lage bedeutend besser, wenn nicht durch die Löhne konkurriert werden würde, was dazu führt, dass die Löhne sinken und dadurch einen Nachfragerückgang auslösen würde. Dann könnten die Menschen nämlich die Produkte kaufen, die sie selbst hergestellt haben und müssten nicht in der Zeitung lesen, dass Deutschland schon wieder Exportweltmeister mit einem riesigen Handelsbilanzüberschuss geworden ist, während sich hierzulande immer mehr nicht mal mit zwei Jobs über Wasser halten können.

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