Die ganze Welt versinkt in Schulden! :-)

Die Welt versinkt in Schulden. Überall Schulden und keinen Ausweg. Wer Schulden hat ist schuld.
Das ist ungefähr das Fazit eines saudümmlichen Artikels von spiegel.de aus einer McKinsey Studie:
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/schulden-der-welt-mckinsey-studie-belegt-deutlichen-anstieg-a-1016749.html

Was soll das Ganze? Vielleicht versucht man mit aller Gewalt den Leuten einzutrichtern, dass Schulden total schlecht sind. Wenn die Menschen dies nur endlich einsehen würden wäre es ja auch viel einfacher zu erklären, warum die Löhne nicht steigen dürfen, Wasser und alle öffentlichen Güter privatisiert werden sollten. Der Staat wirtschaftet ja auch viel schlechter als der freie Markt das könnte.

Nun, der grundlegenste Fehler dieses Artikels ist die Betrachtung der Schulden ohne die Betrachtung der Vermögen. In unserem Geldsystem wird jeder Euro an Guthaben ausschliesslich durch Kreditaufnahme erzeugt. Also steht jeder Euro Guthaben genau ein Euro Schulden entgegen. Sobald Du zur Bank gehst und einen Kredit bekommst wird dieses Geld durch einen Buchungssatz erst erzeugt. Es ist nicht das Geld eines Sparers. Das ist ja das besondere an unserem Geldsystem, dass niemand vorher etwas sparen muss, damit irgendjemand anderes einen Kredit bekommen kann.

Wer das weiß, kann daraus schon ableiten, dass es unsinnig sein muss, nur die Schulden zu betrachten. Diese Feststellung sagt nichts über den Zustand der Wirtschaft aus, außer dass es genau so viel Guthaben geben muss. Daraus läßt sich jedoch folgern, dass ein Anstieg der Schulden auch ein Anstieg der Vermögen zur Folge haben muss. Der Spiegel hätte den Artikel auch „McKinsey Studie belegt deutlichen Anstieg der Vermögen“ nennen können. Denn in dem Artikel wird nur von Brutto-Schulden geschrieben. Wenn Deine Autoversicherung Dir eine Rechnung über 500€ schickt, besteht ab sofort eine Forderung der Versicherung Dir gegenüber. In dem Moment hast Du selbst eine Verbindlichkeit, nämlich Schulden. Das sind Deine Bruttoschulden in Höhe von 500€. Jetzt ist es natürlich unsinnig von Überschuldung zu sprechen, da ja noch nicht festgestellt worden ist, welches Guthaben Du besitzt um eine Netto-Schuld zu ermitteln. Dabei werden Forderungen und Guthaben gegeneinander aufgerechnet. Hast Du mehr als 500€ auf der Bank bist Du auch nicht Netto-Schuldner. Denn Du kannst die Schuld ja begleichen und besitzt darüberhinaus viellicht auch noch Guthaben. Das betrachtet der Spiegel Artikel aber gar nicht. Denn es werden nur Schulden aufgezählt ohne das Guthaben aufzurechnen.

Die Verschuldung der Privaten Haushalte und der Unternehmen kann man aus dem Datenmaterial der Deutschen Bundesbank entnehmen. 2013 betrug die Bruttoverschuldung der private Haushalte 1579,4 Mrd, die Bruttoverschuldung der Unternehmen: 2060,1 Mrd. Nicht gleich in Panik verfallen, wenn sich zusammen Schulden in Höhe von 3639,5 Mrd. gebildet haben. Denn das Brutto-Geldvermögen der private Haushalte beträgt 5020,8 Mrd. und das der Unternehmen 2860,0 Mrd. Beide zusammen besitzen also ein Nettogeldvermögen von 4241,3 Mrd.

Würde diese Studie statt mit Brutto-Schulden in Netto-Schulden rechnen, dann hätte die ganze Welt kummuliert überhaupt keine Schulden. Die Schulden wären Null. Die Guthaben wären auch Null. Denn wem sollte die Welt denn wohl etwas schulden? Dem Mars?

Die gesamte Volkswirtschaft kann abgebildet werden in 5 Konten. Das sind die 5 Konten der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung.
1. Private Haushalte
2. Nichfinanzielle Kapitalgesellschaften (Unternehmen)
3. Finanzsektor (Banken und Versicherungen, Deutsche Bundebank)
4. Staat (Bund, Länder u. Kommunen und Sozialversicherungshaushalte)
5. Ausland

Alle Konten können einen positiven oder negativen Kontostand aufweisen. Werden aber alle Sektoren zusammengezählt ergibt das im Saldo 0. Das heißt, wenn 4 Konten einen positiven Verlauf aufweisen, muss ein Konto einen entsprechenden negativen Kontostand besitzen.

Auch wenn ein Staat Schulden macht, dann ist es doch immer zugunsten eines anderen Sektors. So hat der deutsche Staatssektor von 1995 bis 2012 eine Neuverschuldung von ca. 900 Mrd. Euro erreicht. Dies jedoch nicht, wie vermutet wird, durch reguläre Ausgaben wie Beamtenbesoldung etc., sondern im Wesentlichen sind 400 Mrd. allein durch Steuersenkungen der Kapitalgesellschaften und der Vermögenden entstanden. Ein erheblicher Teil ist durch die Bankenrettung in den Finanzsektor verschoben worden. Agenda 2010 und Konjunkturpakete, wie die Schrottprämie, haben ihr Übriges getan. Sollte bei einer Staatverschuldung erwähnt werden.

Daran wird ersichtlich, dass der Staatssektor auch eine Steuerungsfunktion hat. Einnahmen des Staates in Form von Steuern und Abgaben können genauso gesteuert werden, wie die Ausgaben in Form von Sozialausgaben, Subventionen und Erhaltung oder Aufbau in die Infrastruktur. Diese Art der Verteilungsfunktion nennt sich Sekundärverteilung. Die Primärverteilung findet aber zwischen den Unternehmen und den privaten Haushalten statt. Die privaten Haushalte erhalten Geld durch Löhne oder Ausschüttung der Unternehmensgewinne und sind gleichzeitig auch Abnehmer der von den Unternehmen erzeugten Güter. Nun hat der Staat aber durch Steuererleichterungen Schulden aufgebaut, dafür die Unternehmen entlastet. Dies hat dazu geführt, dass die Unternehmen mittlerweile gar keine Schulden mehr machen und die Gewinne in den privaten Sektor verschoben worden ist. Allerdings ist die Verteilung des Vermögens im privaten Sektor absolut disproportional, wie wir ja wissen. Die höchste Ungleichverteilung in der Eurozone.

Das Schlimme ist, dass die Primärverteilung nicht mehr funktioniert, denn wir haben ca. 8 Millionen Menschen in Deutschland, die nur mit staatlicher Unterstützung überleben können. Wenn die Sekundärverteilung nicht mehr funktioniert, weil der Sektor Staat keine Schulden mehr machen darf, bedeutet dies, dass die Menschen verhungern müssen. Haben wir uns leider ins Grundgesetz schreiben lassen.

2 thoughts on “Die ganze Welt versinkt in Schulden! :-)”

    1. Nein, das wäre keine Option. Die Zentralbank erzeugt nämlich nur Geld, indem die Geschäftsbanken Sicherheiten hinterlegen. Meist in Form von Wertpapieren. Sonst wäre das Erzeugen von Geld leistungslos und die Menschen würden sich dann zurecht fragen, was für ein Wert Geld eigentlich hätte, wenn es „einfach so“ erzeugt werden könnte. Das Geld, an sich intrinsisch, erhält aber erst seinen Wert, wenn eine Gegenleistung für den Tausch von Geld zu erwarten ist. Wenn Geld nun ohne Gegenleistung in irgendeiner Form ausgegeben werden würde, würde das Vertrauen in Geld schwinden bis hin zur Wertlosigkeit des Tauschmittels.

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