Ich bin Pro Euro

Ich bin für den Erhalt des Euro!

Um hier die Frage von Jennifer vor einigen Tagen zu beantworten. Dazu mal ein kurzer Abriss, warum es sinnvoll war den Euro einzuführen. Die Länder der Euro-Währungsunion haben vor dem Euro Handel miteinander geführt, obwohl die Wirtschaftsleistung und andere Parameter unterschiedlich waren. Ist die Inflation, verursacht durch die Änderung der Lohnstückkosten, längere Zeit abweichend der anderen Länder gewesen wurde das Währungswechselkursverhältnis angepasst. Sind also die Löhne unterhalb des Produktivitätszuwachs gesunken und wurden die Güter damit billiger, reagierte das Ausland quasi, indem die Währung des billig gewordenen Landes aufwertete. Die Güter wurden damit teurer als die, die das jeweilige Land selbst herstellte. So wurde verhindert, dass man unverhältnismäßig mehr Güter importierte als zu exportieren. Denn, wenn ein Land mehr Güter importiert als es exportiert, entsteht daraus eine Auslandsverschuldung. Umgekehrt kann eine Auslandsverschhuldung nur dann getilgt werden, wenn das Land wieder mehr exportiert als es importiert.

Offensichtlich hat der Handel zwischen verschiedenen Ländern also schon vor dem Euro funktioniert. Und hier machen Parteien, wie die AfD, einfach Schluss. Aber es geht noch weiter. Jedes Land mit einer eigener Währung ist Devisenspekulationen ausgeliefert. So kam es beispielsweise in Brasilien, dass plötzlich unheimlich viele Spekulanten in den brasilianischen Real investiert haben. Durch die starke Nachfrage nach dem Real hat die Währung aufgewertet. Und weil sie das tat, wurde sie noch interessanter und es wurden noch mehr Devisen gekauft. Die Währung wurde dadurch ohne eigenes Verschulden viel zu teuer für die Wirtschaftsleistung. Damit brach der Export völlig weg und stürzte das Land in die Rezession und Depression. Die öffentliche Meinung dazu ist allerdings eine andere. Brasilien würde sozialistisch regiert und stürze deshalb in den Ruin. Die Ursache der Devisenspekulationen wurde völlig ausgeblendet.

Gegen dieses Treiben der Spekulanten kann sich ein Land besser schützen, indem es eine Währungsunion eingeht. Das Wechselkursverhältnis wurde zu Beginn für jedes Land einmalig festgelegt, so dass es das gleiche Verhältnis wie vor der Euro Einführung gab. Ein Auseinanderlaufen der Lohnstückkosten und damit der Inflation, konnte nun nicht mehr durch eine Währungsabwertung oder Aufwertung ausgeglichen werden. Daher wurde festgelegt, dass in der Währungsunion fortan ein Inflationsziel von ca. 2% erreicht werden sollte. Jedes Land sollte also 2% jedes Jahr an Inflation erzeugen. Die Löhne mussten also in Abhängigkeit zur Produktivität steigen.

Deutschland, unter Schröder, erkannte den Gunst der Stunde. Denn nun befanden wir uns in einer Währungsunion. Der neoliberale Geist schlug zu. Deutschland widersetzte sich dieser wichtigen Regel heimlich und hat seine Löhne gedrückt und ist sehr weit unter der Inflation von 2% geblieben. Der über die Jahre kummulierte Unterschied hat dazu geführt, dass sich das Ausland mit 1,8 Billionen Euro bei uns verschulden musste. Es ist klar: Wenn die eigenen Bürger weniger Kaufkraft besitzen, müssen die Güter eben ins Ausland verkauft werden. Das ging ja auch, weil unsere Güter nun viel billiger waren. Führte aber dazu, dass sich das Ausland immer mehr bei uns verschulden musste. Allein im nächsten Jahr muss sich das Ausland um 200 Mrd. Euro bei uns verschulden damit es ein Miniwachstum von 1,5% bei uns gibt. Die Koalition feiert dies mit der Belobigung unserer herausragenden Wirtschaft und erwähnt nicht, dass dieses Wachstum nur durch die Schulden des Auslands möglich ist. Sie verhöhnt sogar diesen offensichtlichen Zusammenhang.

Es ist nun nicht mehr möglich Deutschland dafür abzustrafen und dafür zu sorgen, dass Deutschland wieder ein Aussenhandelsdefizit einfährt, damit das Ausland seine Schulden abbauen kann. Denn nur wenn Deutschland wieder mehr importiert als es exportiert hat das Ausland die Möglichkeit Schulden abzutragen. Anders geht es nicht. Dafür müssen die eigenen Bürger wieder mehr verdienen damit das funktioniert.

Der Euro ist also doch ganz sinnvoll gewesen. Aber wurde furchtbar schlecht gemanaged. Was passiert aber, wenn die Euro Zone zerbricht? Die Länder hätten eine eigene Währung und würden ihre Währung entschieden abwerten um wieder an Wettbewerbsfähigkeit zu gewinnen. Deutschlands Währung, vielleicht Rest-Euro, würde dafür stark aufgewertet werden. Der Export bräche komplett weg. Und zwar über Nacht und unvorbereitet. Die deutsche Wirtschaft würde durch den Kaskadeneffekt völlig zusammenbrechen. Eine verherrende Arbeitslosigkeit würde entstehen. Handelskriege in Europa beginnen. Die Staatsverschuldung würde explodieren. Die Schuldenbremse bedeutungslos, trotzdem würden Sozialleistungen und Renten drastisch zusammengekürzt werden. Hunger und Elend würden um sich greifen. In Folge dessen käme es wahrscheinlich wieder zu einer Radikalisierung der Bevölkerung. Die Suche nach den Schuldigen beginnt. Die Verhältnisse wären ähnlich zu den 1933’er Jahren.

Warum muss Deutschland sich eigentlich anpassen? Warum nicht alle anderen EU-Länder? Weil, wie wir sehen, die Sparmaßnahmen zu verherrender Arbeitslosigkeit und zur Verelendung der Bevölkerung führt.

Die einzig sinnvolle Maßnahme um dies zu verhindern ist die Rolle Deutschlands an der Krise zu erkennen und gegenzusteuern. Deutschland muss die Löhne nun stark anheben, über die Produktivitätsrate. Der Export würde schwächer, dafür die Binnennachfrage steigen. Sie muss soweit steigen, dass wieder mehr importiert wird als exportiert wird. Und zwar über die Jahre soviel, wie uns das Ausland im Moment schuldet. 2 Billionen Euro Schulden müssten so vom Ausland abgebaut werden. Das würde zu einem Wirtschaftswachstum überall in Europa führen. Auch bei uns. Eventuell entstünde daraus wieder ein Wirtschaftswunder.

Die Realität sieht leider anders aus. Ich sehe keine Anzeichen dafür, dass die deutsche Regierung diese Maßnahmen unternimmt. Sie sieht ja nichtmal die Ursachen der Eurokrise. Sie lacht darüber, wenn sie Abgeordnete, wie Michael Schlecht (LINKE), im Bundestag (vorgestern) an die Rolle Deutschlands errinnern. Dabei müssten wir sofort handeln. Denn spätestens mit den Wahlen in Frankreich 2017 hieße dann die neue Präsidentin Marie Le Pen. Frankreich würde damit aus dem Euro aussteigen mit den Folgen, wie ich sie eben beschrieben habe.

Kommentar verfassen