Ursache der Eurokrise anhand von Lohnstückkosten

Warum sind die Lohnstückkosten, also die Löhne pro Stunde im Verhältnis zur Produktivität pro Stunde so wichtig um Verhältnisse zwischen den Volkswirtschaften zu erfassen? Und was hat das mit der Krise in Europa zu tun? Was mit der Arbeitslosigkeit?

Mal ein Beispiel:
Angenommen in Frankreich würde die Produktivität um 2% gesteigert werden. Also statt 100 Güter pro Stunde werden 102 Güter hergestellt. Weiter würden die Löhne um 4% steigen. Von den 4% wären davon 2% Steigerung für den Produktivitätszuwachs und 2% um die Zielinflationsrate von 2% zu erreichen Die Lohnstückkosten sind nun um 2% gestiegen (4% Nominallohnsteigerung abzüglich 2% Produktivität). Durch den Wettbewerbsdruck würden die Preise jeweils auch um 2% steigen, daher bleibt für den Arbeitnehmer nur noch 2% Steigerung des Lohns. Gleichzeitig hat er aber auch 2% mehr Güter produziert.
Durch 2% mehr Lohn können die abhängig Beschäftigten dann 2% mehr Güter nachfragen. Soweit so gut. An der Beschäftigungsquote würde dies allerdings nichts ändern, denn die durch den höheren Lohn verursachte höhere Nachfrage würde komplett durch die Produktivitätsteigerung wett gemacht. Die Nachfrage steigt ja nur soweit wie die Löhne gesteigert werden konnten bei gleicher Kapazitätsauslastung. Die gestiegene Nachfrage wird durch die höhere Produktivität ausgeglichen. Daher werden nicht mehr Arbeitnehmer benötigt.

Wenn nun z.B Deutschland die gleiche Produktivitätssteigerung erreicht hat, aber die Löhne nur um 2% steigert, weil der Produktivitätszuwachs ja auch 2% war. Dann sind die Lohnstückkosten überhaupt nicht gestiegen. Das was produziert wird, wird auch nachgefragt. Allerdings wird auch keine Inflation erzeugt. Die liegt nämlich bei 0%.

Nun könnte man ja meinen, dass das deutsche Modell doch das Bessere wäre. Schliesslich wird auch nichts teurer. Außerdem steigen die Lohnstückkosten nicht, wohingegen sie ja in Frankreich um 2% gestiegen sind. Damit hat Deutschland einen deutlichen Wettbewerbsvorteil und kann über den Export mehr Waren verkaufen, da die Waren ja 2% billiger sind.
Dadurch, dass die Löhne in Deutschland 2% weniger gestiegen sind als in Frankreich.

Zunächst würden bei beiden Modellen die Nachfrage nach mehr Arbeitskräften entfallen. Wenn Vollbeschäftigung herrscht ist das kein Problem. Leider haben wir ja Massenarbeitslosigkeit. Allerdings kann nun Deutschland 2% mehr Waren ins Ausland verkaufen, weil die ja günstiger sind als in Deutschland. Das heißt aber auch, dass irgendjemand nun 2% weniger Waren verkauft. Darunter dann auch Frankreich. Zusätzlich geht die Produktion in dem Land runter, deren Lohnstückkosten höher sind, weil von dort mehr Waren aus Deuschland gekauft werden. Diese Waren brauchen in Frankreich entsprechend nicht mehr hergestellt werden. Dadurch verringert sich aber die Nachfrage nach Arbeitskraft. Es entsteht Arbeitslosigkeit. Die Nachfrage nach Arbeitskraft steigt in Deutschland entsprechend, da mehr Waren exportiert werden. Zu den Waren hat Deutschland damit auch seine Arbeitslosigkeit exportiert. Denn die müssen nun andere Länder tragen.

Also hat das Ungleichgewicht der Lohnstückkosten dafür gesorgt, dass insgesamt nicht mehr Wohlstand enstanden ist. Der Wohlstand wurde aber anders verteilt.

Klar, kann jedes Land wirtschaftlich handeln wie es mag, wenn jedes Land eine eigene Währung hätte. Wir sind aber eine Währungsunion eingegangen und haben festgelegt, dass in jedem Land 2% Inflation erreicht werden soll. In dem Beispiel hat Frankreich das ja getan. Deutschland aber nicht. Obwohl Deutschland zig Jahre vorher schon immer 2% angestrebt hatte. Zum Begin der Währungsunion haben wir das aber über den Haufen geworfen und gesagt, wir wollen 0% Inflation. Leider haben wir diese Absichtserklärung den anderen Ländern in der Währungsunion verschwiegen und somit hat sich Deutschland still und heimlich über die Jahre hinweg einen ordentlichen Wettbewerbsvorteil verschafft, so daß es jetzt sehr starke Gefälle in den Lohnstückkosten innerhalb Europas gibt. Das eben sollte durch eine gemeinsame Zielinflationsrate von 2% vermieden werden. Nur so kann eine Währungsunion funktionieren.

Und nun sollen Länder wie Frankreich gefälligst die Löhne senken um wieder Wettbewerbsfähig zu werden? Um nur annähernd an das Niveau von Deutschland zu kommen. Deutschland könnte ja auch die Löhne soweit steigern, damit sie auf dem Niveau von Frankreich sind. So wie es mal vereinbart wurde. Das will aber komischerweise keiner. Stattdessen wird riskiert, dass es zunehmende Unruhen gibt und die Franzosen die Front National mit Marie Le Pen als Präsidentin wählen. Das ist 2017 und dann genau der Untergang des Euro.

Dann allerdings bricht auch sofort der Export bei uns weg, weil alle Länder wieder mit eigener Währung stark abwerten und Deutschland dann mit einer 20-30% aufgewerteter D-Mark in den Ruin fällt. Dann ist Währungs- und Handelskrieg in Europa. Eine Situation, die wieder dazu führen könnte, dass es Krieg in Europa gibt.

Ich denke meinen Lösungsansatz dazu kann sich jeder selbst ausmalen.

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