Diagnose Mittelstand 2015 – oder Unruhen, Radikalisierung, Hunger und Elend

Der Sparkassen- und Giroverbande hat heute die Studie „Diagnose Mittelstand 2015“ in Berlin vorgestellt.
Die Ausstattung der Unternehmen mit Eigenkapital sei hervorragend. Allerdings wären die Investitionen deutlich zurückgegangen. Die meisten Investitionen wären Ersatzinvestition um alte Maschinen und Anlagen zu ersetzen. [1]

Ich habe den Umstand grafisch aus der Generalrevision 2014 der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung aufbereitet.
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Die beiden Linien für die Abschreibungen der Maschinen und Anlagegüter und die Investitionen laufen aufeinander zu. Das heißt, es werden fast nur noch alte Maschinen ersetzt und kaum neu investiert. Wenn das so weitergeht schreiben die deutschen Unternehmen zunehmend mehr Maschinen ab, als sie ersetzen.

Wer jetzt auf den Nonsens der Begründungen der Neoklassiker hereinfällt, dem möchte ich dazu meine (nicht nur meine) Position mitteilen: Die Lohnzurückhaltung in Deutschland ist der wesentliche Grund für den Investitionsrückgang. Die Unternehmen schwimmen förmlich in Geld und investieren nicht. Dies aufgrund der stagnierenden Löhne und der sukzessive Abbau von Unternehmensbesteuerung. Der Plan der vergangenen Bundesregierung und der aktuellen Bundesregierung geht nun mal nicht auf. Diese hatten sich gedacht, dass die Unternehmen zu mehr Investitionen bereit sind, wenn sie weniger Steuern und weniger Löhne und Gehälter zahlen müssen. Denn, wenn Arbeitnehmer billig sind, würden ja mehr Arbeitnehmer eingestellt werden… Ein fataler Irrtum, den die Politik, bis auf die LINKEN, nicht korrigiert sehen will.

Da nutzt es auch nichts, dass die EZB billiges Geld in den Markt pumpt, was im Prinzip richtig ist. Aber, wenn die Politik die Wirtschaft nicht dazu zwingt zu investieren, dann bleibt das Geld im Finanzsektor, der nichts produziert.

Nein, der wesentliche Grund, den aber niemand nennen will, ist die Lohnzurückhaltung. Denn Unternehmen investieren doch nur, wenn der Absatz steigt. Der Absatz steigt aber nicht, weil Kunden eben auch Arbeitnehmer sind, die aber immer weniger Geld in der Tasche haben. Arbeitsplätze werden auch nur geschaffen, wenn es Neuinvestitionen gibt, die rechtfertigen neue Arbeitnehmer einzustellen um einen entsprechend höheren Absatz zu bedienen. Die Neuinvestitionen bleiben aber aus, es werden keine Arbeitsplätze geschaffen. Dies zeigt das Arbeitsvolumen ja auch, das die Anzahl der gesamten Stunden einer Volkswirtschaft anzeigt. Im Arbeitsvolumen tut sich seit Jahren einfach nichts. Wenn nun die Regierung und die Arbeitgeberverbände damit prahlen, Jobs geschaffen zu haben, dann bedeutet das nur, dass die vorhandene Arbeit auf mehr Köpfe verteilt wurde. Wobei die meisten Jobs eben im Niedriglohnsektor geschaffen wurden.

Warum sollten Unternehmen denn investieren, wenn sie keine steigende Nachfrage erwarten können und wenn die Gewinne gesteigert werden können, indem die Löhne gedrückt werden?

Erst aus diesen Umständen heraus ist Deutschland wieder Exportweltmeister mit einem wahnsinnigen Aussenhandelsüberschuss geworden. Und dies zulasten der eigenen Bevölkerung und zulasten der europäischen Partner. Wir konkurrieren mit unserem Niedriglohn die anderen EU-Mitglieder kaputt. In der Euro-Währungsunion wurde aber etwas anderes ausgemacht an das sich Deutschland vom Beginn der Währungsunion nicht gehalten hat, ohne das Deutschland es den anderen gesagt hätte. Länder wie Frankreich haben seinen Arbeitnehmern nämlich immer schön eine Lohnsteigerung zugebilligt um das vereinbarte Inflationsziel von 2% zu erfüllen. Heimlich hat Deutschland dabei nicht mitgemacht und lieber auf Lohnzurückhaltung gesetzt und 0% Inflation.

Vor dem Hintergrund, dass aus diesen Ursachen heraus die Bevölkerung nicht nur hierzulande sondern auch in anderen Ländern radikalisiert wird, verübt Deutschland ein menschliches Verbrechen, dass auch Tote gefordert hat und fordern wird. Uns erwarten weiter zunehmende Unruhen, Radikalisierung, Hunger und Elend in der ach so modernen und reichen EU.

Die Quartals- und Jahresergebniss der Generalrevision 2014 mitsamt den von mir erstellten Diagrammen habe ich zum Download bereit gestellt.
Revision2014_Tabellen
[1] Quelle: http://www.bundesfinanzportal.de/berlin/item/1415-unternehmen-finanziell-gut-ausgestattet,-aber-zur%C3%BCckhaltend-bei-investitionen-dsgv-legt-diagnose-mittelstand-2015-vor.html

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