Über den Erfolg der AfD und falsche Ökonomische Schlüsse

Über den Erfolg der AfD und falsche Ökonomische Schlüsse

Die AfD ist deshalb so erfolgreich, weil Sie die tatsächlichen Probleme nennt und Lösungen dafür propagiert.
Der Euro kann doch nicht als Einheitswährung auf die verschiedenen wirtschaftliche Systeme gestülpt werden um dann zu hoffen, dass diese sich wirtschaftlich annähern. Während der Euro für Deutschland zu schwach ist, ist er für die Griechen zu stark. Ohne eine gemeinsame Haushalts- Wirtschafts- und Sozialpolitik kann eine Währung nicht funktionieren.
Während sich der Klassenprimus Deutschland zum Exportweltmeister emporgeschwungen hat, fallen die anderen EU-Länder immer weiter zurück. Deutschland hat alles richtig gemacht. Denn wir haben die Löhne niedrig gehalten um so weitere Arbeitsplätze zu schaffen. Außerdem wird im Staatshaushalt riegeros gespart. Darüberhinaus wurden die Sozialleistungen massiv gekürzt. Denn nur wer arbeiten will soll auch Unterstützung bekommen. Durch das Auslösen von Existenzängsten, Unterdrückung, Überwachung und Stimatisierung der ALG II Empfänger wird die Motivation zur Arbeit gehoben.

Alles Bullshit!

Es ist erstaunlich wieviel Unsinn eine Partei von neoklassischen Ökonomen verzapfen kann. Dabei liegen sie mit ihren Aussagen genauso grundlegend falsch, wie die Regierung selbst. Nur auf verschiedener Weise. Während nach der Bundesregierung am liebsten alle EU-Länder sich an Deutschland angleichen sollen, will die AfD sogar einzelne Länder aus dem Euro austreten lassen. Gemeinsamkeiten zwischen AfD und Regierung bilden sich in der Auffassung, dass es Deutschland durch die Sparpolitik und die Agenda 2010 gelungen ist seine Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen und zum Klassenprimus aufzusteigen. So sind wir zum Exportweltmeister geworden. Zur Vorzeigenation.

Mein lieber Herr Gesangsverein! Man muss schon viel ertragen können, wenn man ständig diesen Blödsinn lesen und hören muss. Die Gesellschaft ist schon durchtränkt von der geistigen Jauche derer, die sich dabei profilieren und „Wirtschaftspolitik“ betreiben wollen. Seit geraumer Zeit zeigt sich doch, dass die neoliberale Politik, egal von wem betrieben, nicht funktioniert. Einfachste ökonomische Zusammenhänge finden in der Mainstream Politik kein Gehör. Seit 1999 wurde von Deutschland eine Politik betrieben, die die Eurokrise ja nun geradezu heraufbeschworen hat. Weil hier niemand verstehen will, dass Beschäftige auch Konsumenten sind. Dadurch, dass die Beschäftigten gefälligst auf einen höheren Lohn verzichten sollen, sollte erreicht werden, dass die gesteigerte Produktivität dazu verwendet wird die Unternehmen zum Investieren zu ermutigen, was zur Folge hätte, dass mehr Beschäftigte benötigt werden.

In einer gesunden Volkswirtschaft, wird die gesteigerte Produktivität in gleichen Teilen den Unternehmer aber auch den Beschäftigten zuteil. Das Unternehmen stellt also mehr Güter her oder verbessert diese und kann damit mehr Umsatz erzielen. Der Unternehmer freut sich über den gestiegenden Gewinn und die Beschäftigen über einen höheren Lohn. Mit den höheren Lohn kaufen die Beschäftigten dann mehr oder bessere Güter und Dienstleistungen. Die Nachfrage steigt also. Und wenn die Nachfrage steigt, investiert der Unternehmer nun um entsprechend mehr Güter produzieren zu können. Was zu einer weiteren Produktivitätssteigerung führt. Die Produktivität erhöht sich so also Jahr um Jahr.

So, nun wurde die die Wirtschaft so umgestellt, dass die Beschäftigen keine Lohnerhöhung bekommen. Außerdem wurde 2009 die Körperschaftssteuer massiv gesenkt. Gerade Großunternehmen wurden finanziell entlastet. Von dem Geld, was die Unternehmen dadurch sparen, sollten sie investieren und so neue Leute einstellen. Scheinbar hat man aber vergessen, dass die Menschen ja gar nicht mehr nachfragen um eine erhöhte Produktivität rechtfertigen zu können. Warum sollen denn auch Unternehmen mehr investieren, wenn sie gar nicht mehr verkaufen können? Denn die Menschen, die das Zeug kaufen sollen, verdienen ja gar nicht mehr. Der vermeindlich rettende Anker war das Exportgeschäft. Da die Binnennachfrage einbrach, musste man eben an das Ausland verkaufen. Und das ging ja, da Deutschland aufgrund dieser Wirtschaftpolitik international „Wettbewerbsfähig“ wurde. Sogar so gut, dass wir Exportweltmeister wurden.

Tja, nur zu dumm, dass wir nun nicht nur die Binnennachfrage sondern auch die EU damit zerstören. Ein gemeinsamer Wirtschaftsraum kann so nicht funktionieren. Viele Annahmen, wie eine gemeinsame Währungsunion funktioniert, sind grundlegend falsch. Gerade von der AfD wird postuliert, wie eine gemeinsame Währung funktionieren müsste. In den Augen dieser neoklassichen Ökonomen bedarf es dazu Angleichungen in den anderen Ländern. Es kann demnach nicht sein, dass ein Land weniger Wochenarbeitsstunden oder eine niedrigeres Renteneintrittsalter hat wie Deutschland. Da ja Deutschland alles richtig macht. Auch die Sozialpolitik müsste demnach überall wie in Deutschland sein. Außerdem sollte sich der Staat zurückhalten und mehr sparen. Niemand sollte mehr Schulden machen. Alle müssen sparen.

Wie schon erwähnt hat das in Deutschland nur soweit funktioniert, wie wir die einbrechende Binnenwirtschaft durch massive Exporte kompensieren konnten. Dazu mussten wir sogar Exportweltmeister werden. Das hat nun aber zur Folge, dass wir die anderen EU-Mitgliedsländer auf Gedeih und Verderb niederkonkurriert haben. In Deutschland ist jetzt nun alles billiger zu haben als in Frankreich beispielsweise. Das, was wir mehr exportieren, müssen die anderen Länder konsumieren. Denn irgendwer muss das Zeug ja kaufen das wir produzieren. Unsere Exporte gehen ja nun zu 75% wieder in die EU. Das was aber ein EU Land von Deutschland billig kaufen kann, braucht dort nicht mehr produziert werden. Das Exportgeschäft und die Binnennachfrage der anderen Länder sind dadurch eingebrochen. Massive Arbeitslosigkeit ist die Folge. Von der massiv gestiegenden Arbeitslosigkeit ist Deutschland weitestgehend verschont geblieben. Aber nur, weil wir diese Arbeitslosigkeit mit unseren Produkten ebenfalls exportiert haben. Diese müssen jetzt andere EU-Länder mittragen.

Und nun erdreistet sich unsere Regierung in ihrer geistigen Umnachtung den anderen EU-Ländern unsere Politik aufzuzwingen. Austeritätspolitik soll die Lösung sein. Dann wird alles gut. Dabei wird jedoch vergessen, dass ja damit unsere Kunden sparen sollen. Sie sollen Waren von uns kaufen, damit wir Exportweltmeister bleiben, sollen aber gleichzeitig sparen. An dem Punkt müssen so einige politische Akrobaten auf dem Hochseil der Hochmütigkeit ihr Gehirn ausgehangen haben. Auf der einen Seite, sollen diese Länder massiv die Löhne senken und Sozialausgaben kürzen und auf der anderen Seite weiter fleissig unsere Waren kaufen. Da wir ja jedes Jahr mehr Produktivität wollen muss also auch gleichzeit die Nachfrage steigen. Wie aber bitte soll dies funktionieren, wenn gleichzeitig dafür gesorgt wird, dass unsere Konsumenten am Hungertuch nagen? Das funktioniert eben überhaupt nicht. Den Grund dafür liest man ständig in den Zeitungen oder hört es im Radio: Die anderen sparen eben nicht genug! Das heißt etwas grundlegend Falsches funktioniert nur nicht, weil man sich nicht mit allen Kräften darum bemüht hat.

Wie aber soll denn nun eine gemeinsame Währung funktionieren? Was muss denn in allen Mitgliedsländern homogenisiert werden? Staatliche Verschuldungsquote, gemeinsame Wirtschaftpolitik oder Sozialpolitik? Müssen alle gleich viel Arbeiten, gleich viel Rente bekommen? Muss alles gleich sein?

Nein, das ist Blödsinn. Das einzige in einer Währungsunion worauf es ankommt ist ein gemeinsames Inflationsziel an dem sich jedes Mitgliedsland zu halten hat. Und dies wurde tatsächlich auch so vorgesehen. Es wurde ein jährliches Inflationsziel von 2% festgelegt. In einer optimalen Volkswirtschaft heißt dies, dass die Produktivität um 2% steigen soll. Völlig egal wie das erreicht wird. Mit oder ohne Staatsverschuldung, wie fälschlicherweise immer angeführt wird. Damit steigen auch die Löhne um 2% und die Gewinne der Unternehmen um 2%. Während Frankreich dies all die Jahre mustergültig eingehalten hat, scherte Deutschland aus. Hier war es en vogue die Produktivität nicht an die Beschäftigten weiterzugeben und den Unternehmern zu überlassen, damit diese mit dem gesteigerten Gewinn neue Leute einstellen. Wie bekannt sein dürfte ging das aber voll daneben. Die Unternehmen steckten sich zunächst den Gewinn in die eigenen Taschen. Die Bundesregierung legte dann 2009 noch nach und senkte massiv die Körperschaftssteuern. Damit floß mehr und mehr Geld in die Taschen großer Unternehmen. Die Löhne und Gehälter stagnierten stattdessen. Während die Binnennachfrage einbrach, erhöhte sich dagegen der Export so stark, dass wir Exportweltmeister wurden. Und warum? Weil die Löhne in z.B Frankreich stärker gestiegen sind als in Deutschland und damit konnte Deutschland über den Preis einfach mehr absetzen. Deutschland hat einfach die Regeln gebrochen um die anderen EU-Länder niederkonkurrieren zu können.

Deutschland ist hier der Hauptgrund für die Eurokrise. Entweder muss Deutschland die Löhne über einen langen Zeitraum massiv erhöhen oder Länder, wie Frankreich müssen massiv mit Ihren Löhnen runter. In Frankreich hat dieser Versuch dazu geführt, dass die Front National massiv gestärkt wurde. Es steht zu befürchten, dass dieser Weg in Frankreich nicht funktioniert. Eher wird Frankreich unter den national-Rechten aus dem Euroraum austreten. Womit der Euro dann Geschichte wäre.
Ein Ausscheiden einzelner Länder aus dem Euro wird auch nicht funktionieren, da wir dann sofort einen Wirtschaftkrieg in Europa hätten. Der Euro würde dadurch innerhalb kürzester Zeit aufgegeben werden. Mit absolut verherenden Folgen.

Ich möchte hier kein Buch schreiben, aber nur noch soviel: Wenn wir zu Wachstum den Begriff Entwicklung nutzen würden, was in dem Kontext das Gleiche ist, können wir uns auch die Diskussionen sparen, warum wir immer mehr Entwicklung benötigen. Denn Entwicklung heißt nicht zwangsweise mehr unsinnige Produkte herzustellen und zu verkaufen, die dann als Dreck im Meer landen oder von Kindern auf den Müllkippen Asiens oder Afrikas aufgelesen werden um aus elektronischen Bauteilen mit hochgiftigen Stoffen Edelmetalle herauszulösen. Wir können ja auch die gesteigerte Entwickung dazu nutzen um umweltkompatible Produkte herzustellen, bessere Medizin entwickeln und insgesamt unsere Gesellschaft voranbringen. Allein um die globale Erwärmung und Verschmutzung zu beseitigen benötigen wir auf jeden Fall mehr Entwicklung. Aus diesem Grund sollten wir darauf auf keinem Fall verzichten.

Vor diesem Hintergrund hat eine Inflation durchaus einen berechtigten Sinn. Aber anders wie ständig postuliert wird, hat Inflation mit der derzeitigen Geldschwemme der EZB nämlich genau nichts zu tun. Denn Inflation wird nur erzeugt, indem die Löhne steigen. Denn dann entsteht mehr Nachfrage, die Unternehme investieren um eine erhöhte Produktivität zu erreichen und um der Nachfrage ihrem Angebot entgegenzustellen. Die derzeigte quantitative Politik der EZB sorgt nur dafür, dass die Finanzmärkte vollkommen aufgebläht wurdden. Und an den Finanzmärkten wird entgegen vieler Meinungen, überhaupt gar nichts produziert. Keine Produktion, keine Inflation.

Die Schuldenbremse wird sich ebenfalls als Desaster ergeben. Die völlig fehlgeleitete neoliberale Politik und dem Tick unbedingt sparen zu müssen wird darin münden, dass staatliche Versorgungsleistungen privatisiert werden. Das heißt dann, dass wir in wenigen Jahren Wasser nur noch aus dem Supermarkt trinken können. Um nur ein Beispiel zu nennen. Die staatlichen Aufgaben werden mehr und mehr zurückgedrängt und abgelehnt. Je tiefer wir in die Krise hineingeraten, desto mehr falsche Folgeschritte werden unternommen, weil die wahren Ursachen nicht wahrgenommen werden.

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